Archiv der Kategorie 'Erfahrungsbericht'

Falun Gong in Erfurt


Die autoritäre Psychosekte Falun Gong wird in China staatlich verfolgt, es gibt gar eine „chinesische Gestapo“, die hinter den Anhängern des Li Hongzhi her ist — so sagt es zumindest die Gruppe selbst. Das passt natürlich in Deutschland, wo man immer froh ist, wenn jemand (mindestens!) genau so schlimm ist wie die Nazis. Das Wappen der Sekte besteht übrigens aus vier Yin-Yangs und fünf Hakenkreuzen. Aber das hat natürlich nichts (rein gar nichts) mit irgendwas zu tun. Die Gongs stehen auf dem Platz herum, falten die Hand zum Gebet und sammeln Unterschriften gegen China.
Direkt daneben steht (ungelogen) ein Stand von den Zeugen Jehovas und will der Menschheit nahebringen, daß die Schöpfungsgeschichte plausibler als die Evolution ist. Eigentlich müsste es zwischen Quigong und christlicher Sekte zum Eklat kommen, aber man beäugt sich mehr belustigt als kritisch.

Kritische Informationen zu Falun Gong findet man im Esowatch-Wiki (daß außer dem Namen nichts mit unserem Esowatch zu tun hat) und in einigen gesammelten Presseartikeln zum Thema auf der Falun Gong- Seite der Aktion für Geistige und Psychische Freiheit.
Zu den Zeugen gibt es natürlich auch eine Seite auf dem Esowatch-Wiki.

Buko-Spiritualismus 3

Ach ja, eine Glaubensgemeinschaft habe ich vergessen zu erwähnen: Die vegane Theken-Crew beim Buko 30 hat White Russian mit Soja-Milch angeboten und fand den Hinweis, daß er mit Milch und vor allem viel süßer Sahne doch besser schmeckt, nicht gut. „Viele hier sind Veganer“, so die auch wieder (siehe unten) mit sehr ernstem Gesicht vorgetragene Erklärung…

Buko-Spiritualismus 2

Vielfältig: Der/die/das Buko
Der 30. Buko [Kongress der Bundeskoordination Internationalismus] war nett, und es gab (mindestens) zweierlei Spiritualismus zu sehen.

Buko-Spiri 2: Workshop „Spiritualismus und Politik“

Mit an die 50 Leute war der Workshop einer der größten auf dem Buko. „Du meine Güte, so viele Esos?“ denke ich, aber die Vorstellungsrunde offenbart, daß mindestens 1/3 der TeilnehmerInnen eher da sind, weil sie sich fragen, was solcherlei Unfug auf einem linken Kongress verloren hat. Ein weiteres Drittel hat mit Spiri auch nicht viel am Hut, ist aber mit der ständigen und immer beherrschender werdenden Zweckrationalität der Moderne überfordert und will mehr vom Leben als Zweckbeziehungen. Der Rest spricht schwammig von der Notwendigkeit spirituellen Wachstums, von Liebe, Natur, Herz, Selbst, Innen, Körper und Glaube.
Witzig ist: Man sagt, man wolle spirituell den Manichäismus überwinden, stellt sich aber trotzdem in den ganzen modernen Dualitäten auf die eine Seite und damit gegen Hass, Kultur/Zivilisation, Handeln, Konstruktion, Außen, Geist und Wissen.
Von rechter Esoterik, von Antisemitismus und von Lehren, die nach dem Führerprinzip funktionieren, distanziert man sich. Der Frage, wie ein Spiritualismus ohne diese Merkmale aussehen kann, nähern wir uns nicht. Methodisch funktioniert der Workshop nicht wirklich, irgendwie bleibt die ganze Zeit unklar, wo es hin gehen soll.
Das ist wohl auch die Schwäche von „Esoterik light“ – ohne verbindliche Lehre, ohne erleuchtete Gurus, die mit voller Überzeugung die „Ich hab‘ die Welt kapiert und Du nicht“-Nummer vortragen, funktioniert Spiritualismus einfach nicht so gut.
So gehen die meisten Leute dann auch eher mit einem kritischeren Verhältnis zu Spiritualität raus als sie reingegangen sind – ein Glück…

Zu Hierarchien und Spiritualität noch ein Zitat von einem, der es wissen muss. Davin Spangler von der esoterischen Findhorn-Gemeinschaft, zitiert nach Ökolinx 11/1990:

„Alle spirituellen Gesellschaften sind hierarchisch. Anders können sie nicht funktionieren. Es ist klar, daß man sich bei der Führung der Angelegenheiten einer spirituellen Gemeinschaft nicht an jene wenden kann, die weniger erleuchtet sind.“

Buko-Spiritualismus 1

Adorno hat Spaß

Beim diesjährigen Buko [Kongress der Bundeskoordination Internationalismus] gab es (mindestens) zweierlei Spiritualismus zu sehen.

Buko-Spiri 1: Samstag-Abend, Großplenum zu Antisemitismus und Antiamerikanismus

Der zweite von drei Referent_innen zeigt sehr schön zeigt, wieso rechtschaffene Antideutsche so knuddelig sind. Mit heiligem Ernst werden 20 Seiten in exakt gezirkelten Sätzen vorgelesen. Die obligatorische Zusammenfassung der Elemente des Antisemitismus geschieht überaus elaboriert und souverän.
Den Abschluss bildet die mit ernstem Blick vorgetragene Sorge, daß wer sich unter Linke begibt, schon auf dem Pfad der Verdammnis wandert: „Es soll hinterher keiner sagen, er habe nichts gewusst“, wenn es auf einer globalisierungskritischen Veranstaltung zu antisemitischen Ausfällen kommt – wie überhaupt überall, wo Leute Gesellschaftskritik ohne St. Teddy betreiben.
Ist alles nicht so falsch, aber der aufgeplusterte Theorie-Hooliganismus wirkt wieder mal so, als ob es vor allem darum geht, theoretische Claims abzustecken und der verkniffene Duktus weckt den Wunsch, den Referenten einfach mal zu kitzeln.
Das gebetsmühlenartig vorgetragene „Ja, aber“ bei vielen Diskussionsbeiträgen danach führt dann auch nicht zu einer erhellenden Diskussion – aber nach einer Predigt ist es auch nicht gewollt, Inhalte gleichberechtigt zu diskutieren.

Über Länge und Breite des Universums

Berlin-Kreuzberg, Szene-Schuppen: billiges Bier und (überraschend) guter Kuchen. Publikum ziemlich zeckig, aber auch hier wird für Esoterik geworben: „WIEVIEL DIMENSIONEN HAT DAS UNIVERSUM?“ fragt der schlecht gestaltete Zettel. Ja, wie viele? „Markus Schmieke, Quantenphysiker, Philos., Veden-Altindien Spezialist“ wird es am 4. April im Kato erklären und die Antwort wird weniger mit n-dimensionalen Matritzen zu tun haben, sondern damit, daß sich „die Moderne Physik dem altindisch-vedischen Modell vom multidimensionalen Universum“ annähert.
Daß esoterischer Unfug einen naturwissenschaftlichen Begründungszusammenhang herzustellen sucht, ist nicht neu, man schmückt sich halt gerne mit der Aura der Wissenschaftlichkeit.
Dimensionen in der Physik haben kaum Rätsel zu bieten, allein die Tatsache, daß mehrdimensionale Räume in der Mathematik sich der Anschauung oft entziehen, öffnet wohl die Türen für den Obskurantismus…
Unschön ist, daß dieser Unfug vom Netzwerk Zukunft veranstaltet wird. Das hat seinen Sitz im Haus der Demokratie, wo u.A. auch die Chipkarten-Ini, die Gigi, die JungdemokratInnen/Junge Linke und sogar die Ökolinx Berlin ihr Büro haben.
Das lässt schlechte Schwingungen erwarten…

PS zum Hintergrund: Die Ökologische Linke Ökolinx macht schon seit ihrer Gründung (Ende der 80er Jahre) konsequent und kontinuierlich politische Arbeit gegen Esoterik und „Ökofaschismus“ (so das dort gebräuchliche Label für die Braunzone zwischen Psycho-, Eso- und rechter Szene).

Geld, Magie und Spiritualität

Am 7. März habe ich mich auf einen freundlichen Tipp hin in die Erfurter Marktstraße begeben, um dort beim Netzwerk Ganzheitliche Lebensweise (Engl e.V.) eine Veranstaltung zum Thema „Magie, Spiritualität und Geld“ zu besuchen.
Ganzheitlich mitzureden ist erst einmal nicht so einfach: Die Tür war verschlossen und nur durch mutiges Durchfragen im Haus war es möglich, den Veranstaltungsraum zu finden. Drinnen waren fünf Leute, die sich offenbar schon kannten und die erst mal genau wissen wollten, wie man denn überhaupt von der Veranstaltung erfahren habe, wer man sei. Der Eindruck, daß Ganzheitlichkeit nicht für Alle da ist, konnte da schon aufkommen, aber sehen wir weiter…

Das Geld

Gelernt habe ich: Das Geld hat seinen Ursprung in der Sphäre des Heiligen, da, wo Tiere geopfert wurden und dadurch ein Handel mit den Göttern angestrebt wurde. Heute ist das noch sichtbar daran, daß der Adler auf dem Euro strahlenumkränzt ist und von zwölf Pentagrammen umringt ist. Ob diese Symbolik Zufall ist oder damit zusammenhängt, daß sich diverse Magier den EU-Unterausschuss für Währungsdesign unter den Nagel gerissen haben, war nicht in Erfahrung zu bringen, was vor allem daran lag, daß der Referent keine Frage beantwortet hat, sondern immer nur als Aufhänger für 2-3 Annekdoten nutzte.
Nach dieser magisch-mystischen Grundlegung ging es weiter mit dem grundsätzlichen Geheimnis des Geldes. Die Einleitung zu diesem Part war, daß das nun folgende ungemein schwierig zu verstehen sei und der Referent Jahre gebraucht habe, den Gipfel der Erleuchtung zu erklimmen, der wie folgt aussieht: 50 Euro in der Hand des Referenten bedeuten, daß irgend wo anders 50 Euro fehlen. Geld bringt also eine Schuld in die Welt und stört damit das Gleichgewicht.

Das Gleichgewicht

Das Geld stört also das Gleichgewicht. So lange diese Störung der kosmischen Harmonie dazu benutzt wird, am Ende nützliche Dinge herzustellen, ist das gut – daher hat der Referent auch ausgiebig Tipps dazu gegeben, wie man durch kreative Buchhaltung und Wertpapiergeschäfte die Kohle für ganzheitliche Projekte auftreiben kann. Wenn Bänker und Bosse aber die Harmonie stören, um reich zu werden und sich tolle Autos und Fernreisen zu kaufen, dann ist das skrupellos und böse. Gleichgewichtsstörungen sind also bitte denen zu überlassen, die durch ihre ganzheitliche Erleuchtung dazu in der Lage sind, die Harmonie wieder herzustellen.
Etwas gutes hat das Geld aber schon, nämlich einen pädagogischen Nutzen: Es zeigt den Nicht-Erleuchteten dadurch, daß sie verarmen, daß sie das Gleichgewicht gestört haben. Deswegen brauchen diese bemittleidenswerten Geschöpfe auch Geld, anders als die Anwesenden (augenscheinlich alle finanziell gut versorgt), die das auch ohne finanziellen Denkzettel merken.

Die Lemminge

Die Anwesenden adressierte der Referent als Initiaten seiner Erkenntis: „Wir sind ja alle spirituell“ und brauchen deswegen kein Geld, stellen das Gleichgewicht von uns aus wieder her, haben immer genug zum Leben, haben diese ganzen ungemein komlexen Probleme verstanden, etc.pp.
Anders sieht es mit den anderen da draußen aus. „Die Lemminge“ der Normalbevölkerung, vor allem die Empfängerinnen von Sozialleistungen, die Ansprüche auf Konsum anmelden, ohne selbst etwas produktiv zu leisten sind einfach nur schlimm. Von Geburt an verrentet wie im Sozialismus führen sie ein trauriges Leben, weil sie nicht so kreativ sind wie wir. Aber mit denen wird schon noch aufgeräumt werden, wenn (in spätestens 10 Jahren) die Krise kommt: Dann sitzen wir nämlich in unseren „Archen“ ganzheitlicher Lebensweise, während die Situation für die Nutznießer von Kapital und Sozialleistungen ganz schlimm wird.

Die Archen

Was machen wir also? Wir bauen Projekte auf, die mit eigenem Geld, eigenem Land und eigener Ordnung Sprengel des Gleichgewichts in einer immer chaotischeren Welt sind und die uns wenn die Krise kommt das Überleben sichern. Sozial, demokratisch und vertrauensvoll arbeiten wir für die „ökosoziale Kulturwende“, während die Lemminge sich ins Verderben stürzen.
Als positive Beispiele werden zwei Thüringer Kommunen genannt, die beide wenig davon begeistert sein werden, als Hort der Ganzheitlichkeit dargestellt zu werden, der den Harz-4-empfangenden Faulpelzen spirituell überlegend ist… Wenig gute Worte findet der Referent für das Projekt, in dem er bis vor kurzen selbst noch am werkeln war. Vielleicht hat man dort seine Weisheiten nicht angemessen angenommen, oder es gab einen anderen Guru…

Alles in Allem

Nach Ende des offiziellen Teiles wurden noch die Freimaurer und andere Geheimbünde als Drahtzieher hinter Geld und Kapital benannt.
Zusammengefasst war der zentrale Topos der Veranstaltung das Gleichgewicht und die Harmonie, die durchs Geld gestört wird. Täter dahinter sind die Banken und die Bosse, die mit schwarzer Magie die Welt ins Verderben stürzen wollen. Das Gute wollen die „kulurell Kreativen“, die mit Spiritualität und weißer Magie das Gleichgewicht bewahren helfen. Die Masse der Menschen trabt als Lemminge fleißig mit und soll aus diesem Zustand auch nicht rauskommen. Deswegen steht man bei solchen Veranstaltungen auch erst mal vor verschlossener Tür und muss sich durchfragen, um der Erleuchtung lauschen zu dürfen.