Archiv für Mai 2007

Energetisierte Nahrung II

Von levitiertem Wasser war schon hier die Rede. Die „Zukunfstwerkstatt Elementarwesen Mensch“ bietet all jenen, die stilvoller als mit den dort vorgestellten Plaste-Untersetzern ihre Nahrung energetisieren wollen eine dekorative Alternative.

Wasserwirbler - levitiert oder belebt Wasser Der „Bio-Wasser-Wirbler“ bringt alles mit, um den „informationstragenden Ätherleib“ in Form zu bringen. „Zehn Jahre Forschungsarbeit“ hat der „Grundlagenforscher im Feinstofflichen“ Ralf Rösner gebraucht, um Wasser in eine große Sanduhr zu packen und einen „Holzständer aus heimischer Buche“ drumherum zu basteln. Dafür ist die tolle Maschine aber in der Lage, die „Kolloide – ‚Saatkörner‘ von Energie“ neu anzuordnen.
Ob sich das Ding zum Milchaufschäumen eignet, steht nicht dabei. Aber schon Rudolf Steiner hat zum Gewirbel erklärt: „Der Wirbel-Trichter ist die einzige Form auf der Erde, die bis in die höchsten Hierarchien hineinreicht.“
Der Begründungszusammenhang Gesundheit ist hier nicht so stark wie bei den schon vorgestellten bunten Tellern. Nur ein Satz in der Werbebroschüre verspricht ein „längeres und gesünderes Leben“ hin, der Rest arbeitet mit Schlagwörtern aus der Anthroposophie.

Um den Unfug aus den höheren Hierarchien wieder auf die Erde zurück zu wirbeln, weise ich wiederholt auf den Wikipedia-Artikel zu belebtem Wasser hin. Wie das mit dem Ätherleib funktioniert, erklärt Colin Goldner in einem Artikel zu Anthroposophie auf der Seite vom Forum Kritische Psychologie.
Alle Zitate stammen aus der Produktinformation zum besagten Gerät.

Lüsterner Papst

Keuschheitsgürtel
Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, hat der Papst in Brasilien vor zentausenden Jugendlichen eindringlich klargemacht, daß man nur in der Ehe knutschen darf: „Das eheliche Zusammensein […] ist verheirateten Paaren vorbehalten.“
Mit „Eheliches Zusammensein“ meint Papa Razi wohl Hetero-Sex – was bedeutet, Kern der Ehe ist das Geknutsche. Woraus widerum folgt: Verheiratete gestalten ihre Ehe vor allem womit? Genau, damit. Während der Papst also allen Unverheirateten jede Lust vergällen will, schreibt er seinen verheirateten Anhänger_innen vor, ständig „Zusammensein“ zu machen.
Da ist es dann auch kein Wunder, wenn man am Ende seine Kinder verkaufen muss:

I will survive…

Ein schönes Video mit Jesus in der Hauptrolle.

Mit Chakra in die Rhône

Ich liebe ja meine Google-Ads. Nachdem ich neugierig der Anzeige für den Chakra-Test gefolgt bin und sage und schreibe 40 Multiple-Choice-Fragen beantworten musste, gab es danach nicht etwa eine erleuchtende Auswertung, sondern nur die Aufforderung, meine Mail-Adresse einzutragen. Nun, hab@ich.net wird’s tun. Die Belohnung für meine brav gegebenen Antworten:

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Das ist mal wieder Karma-Kapitalismus at its best… Unseriöser geht’s ja kaum.

Trendy Karma-Kapitalismus

Das „Trendbüro“ veranstaltet heute in Hamburg den 12. Trendtag. Trendforschung ist für die Webeprofis die Möglichkeit, dem Unternehmen von heute zu zeigen

wie sich die Welt um sie herum verändert, welche Chancen und Gefahren sich für sie daraus ergeben und wo die Märkte von Morgen liegen

Der neue Trend ist *tadaa*

Karma-Kapitalismus

Karma-Kapitalismus markiert das Ende des Raubtier-Kapitalismus und etabliert eine neue Wirtschaftsethik. Kooperation ersetzt Konkurrenz. […] Erfolgreiche Produkte sind nicht nur von hervorragender Qualität, sondern vermitteln auch einen spirituellen Mehrwert. […] Sinnstiftung wird zum wichtigsten Wettbewerbsvorteil.

Also: Das Problem am „Raubtier-Kapitalismus“ ist die fehlende Ethik – mit erleuchtetem Betrieb wird sich dasmit der Ausbeutung also auch geben.
Weiter: Der Karma-Kapitalismus verkauft nicht nur eine Ware, sondern bietet gleichzeitig Sinn – was daran neu ist, muß das Trendbüro erst mal noch erklären. Spätestens die Markenware bietet schließlich neben der Erfüllung eines profanen Bedürfnisses einen Überschuss an Bedeutung, der diskursiv erzeugt in seine Nützlichkeit eingeht. Daß das einen Wettbewerbsvorteil bietet, ist Adidas und Apple ebenso bewusst wie Demeter und Carhart.
Wo ist also das neue am KK?

Profitorientierung und moralisches Handeln gehören heute zusammen. In der global vernetzten Welt fällt alles wieder auf den Urheber zurück. Ein gutes Karma steigert das eigene Kapital.

Da haben wir’s: Alles fällt auf den Urheber zurück, wie es die Anhänger der Karma-Lehre vertreten. Wer also moralisch handelt, kann die damit gesammelten Karma-Punkte in der himmlischen Wechselstube gegen Geld eintauschen – so einfach geht das.
Gehen wir davon aus, daß der Kapitalismus letztlich danach strebt, sich jede Lebensäußerung einzuverleiben, ist die Funktion des esoterischen Unfugs schlicht und einfach, das Bedürfnis nach Sinn und den Lebensbereich der Moral der Verwertung zuzuführen.
Hauptreferent des Abends ist Muhammad Yunus, der in Sachen Ausweitung der Warenform schon Erfahrungen im großen Stil sammeln konnte: Er ist der Erfinder der Weltbank-Kleinstkredite, mit denen vor allem Frauen im Trikont befähigt werden sollen, sich in elenden Verhältnissen als Unternehmerinnen in Sachen eigener Arbeitskraft zu verdingen. Feministinnen kritisieren an den Programmen, daß die Kreditnehmerinnen wegen der hohen Zinsen oft nicht in der Lage sind, die Kredite zu tilgen und damit in neue Abhängigkeiten geraten.